Die Entdeckung der Langsamkeit und des Raums
Das echte Leben kann so langsam sein. Gerade heute wieder. Ein Umstandsmeier wird vor mir beim Bäcker bedient. Warten… An der Supermarktkassa sorgt eine Oma für Behinderungen. Und erst der Straßenverkehr! Ich gerate in den Feierabendverkehr und brauche für eine vergleichsweise kurze Strecke eine halbe Ewigkeit. Und vor einer Woche habe ich auf einem Postamt durch endloses Warten Demut gelernt. Und da beschweren sich die Leute über die miese Performance des Second Life…pah!
Aber ernsthaft: die Weise, in der man in SL navigiert und sich bewegt ist für einen gelernten Web-Menschen immer wieder eine gewaltige Umstellung. Hier - in SL - wird nicht in Sekundenbruchteilen zwischen verschiedenen Bereichen herumgehüpft, man bewegt sich in angemessener Geschwindigkeit von einem Punkt zum anderen. Auch wenn es “Beschleuniger” wie Teleportieren oder Fliegen gibt. Es braucht dort alles seine Zeit. Nicht nur, wenn es den gefürchteten “Server Lag” (= Stillstand, Langsamkeit..) gibt.
Der Raum ist eine grundlegende Komponente der Wirklichkeit. Philosophisch strittig ist, ob der Raum „an sich“, unabhängig von Wahrnehmung und Vorstellung existiert oder lediglich eine Anschauungsform des wahrnehmenden Subjekts ist
aus: Wikipedia - Raum
Den “hypertext-mindset” kann man zu Hause (oder besser: im Web) lassen. Es wird realitätsnaher agiert. Man konzentriert sich weitgehend auf eine Sache. Denn macht man es anders (sprunghafter), erlebt man von all dem vielem genau nichts. Die dritte Dimension des SL - besonders wenn man Objekte baut oder Landscaping betreibt - ist hier (obwohl man diese ja vom “Real Life” bestens kennen sollten) eine echte Herausforderung und kann einen schon ziemlich wuselig machen.
Und ich ertappe mich tatsächlich dabei, bestimmte Objekte des täglichen Lebens (wie: Straßenschilder, Möbel, Gebäude usw.) auf Second Life “Nachbaufähigkeit” zu betrachten. Ich entdecke die Räumlichkeit wieder und erwecke eine Art der Wahrnehmung wieder, die man irgendwann als Kind verloren hat, als man die Lego- oder sonstige Bausteine aus der Hand gelegt hat.
Allein das ist ja schon etwas sehr Schönes, finde ich.
Posted on März 27th, 2007 von Franz
Filed under: DailySoap, Second Life




Leave a Reply