Second Life - auf den 2. Blick

“You never get a Second Chance for a First Impression” sagt man, und da ist wohl etwas dran. Im Fall Second Life würde ich dem zweiten Eindruck jedoch die besseren Noten geben als dem ersten. Second Life gehört tatsächlich zu den Systemen, die um so mehr gewinnen, je mehr man sich damit beschäftigt und “eintaucht”.

Die erste Begegnung mit SL kann horrend sein. Die ersten Bewegungen und Steuerungen sind mühsam, und hat man das mal erlernt, findet man sich bald in den Vergnügungsbereichen wieder, welche mit all den Casinos und Dance-Geschichten schnell einen etwas infantilen Eindruck vermitteln. Somit ist es klar, warum viele Journalisten (die ja in der Regel Newbies sind) eher negativ gefärbte Artikel liefern (trotzdem meist mit einem skeptischen “Auskenner”-Habitus geschrieben). Die bleiben am ersten Eindruck hängen und meinen, schon alles gesehen zu haben.

Second Life beginnt erst dann wirklich faszinierend zu werden, wenn man die ersten Leute kennenlernt (”Friends” gewinnt) und eine solide Kontrolle über den Avatar und seine Streifzüge hat. Und wenn man weiss, wo es interessante Dinge zu sehen gibt. Und für all dies braucht man eben Zeit.

Wenn man das Bauen von verschiedenen Dingen (Häusern, Fahrzeugen, Möbel…) erlernt hat, wird einem die Tatsache, dass alles in SL von den Benutzern selber erschaffen wurde - es sich also um benutzergenerierten Content handelt - erst so richtig bewußt. Erst dann wird klar, wie viel Kreativität und Sorgfalt für all die “zweites Leben” gewordenen Träume aufgebracht wurde. Neben einer Online-Kommunikation der neuen Art (ja, es ist besser als Chat) ist eben dieses “Erschaffen” von nahezu allem Denkbaren der Aspekt, der schlichtweg umwerfend ist, wenn man die Dimension und auch die Möglichkeiten bedenkt.

Und um das zu erkennen, muss man sich auf Second Life einlassen, den ersten Eindruck mal beiseite legen und den zweiten - guten - Eindruck wirken lassen. Und das zahlt sich aus.

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