Stürmer/Furtado/Gusenbauer

„Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.“
Karl Kraus

Was Kraus zu seiner Zeit sagte, stimmt immer noch. Und auch wieder nicht. Die Sonne der Kultur steht nicht niedriger als sonst. Sie steht nur … anders. Oder wird durch verschiedene Hindernisse verdeckt.

Ein guter Indikator für “den Stand der Dinge allgemein” ist seit jeher die Populärkultur. Nirgendwo kann der “Zeitgeist” (nennt man das noch so?) besser abgelesen werden. Aber es stellt sich mehr und mehr heraus, dass auch darauf kein Verlass mehr ist, weil sich Trends (durch die Industrie) nicht mehr so klar kanalisieren lassen wie einst.

Der Unterhaltungs-Mainstream kämpft schon lange damit. Der Tonträgerindustrie etwa gehen die Stars verloren. Es fällt der Masse offenbar immer schwerer, die Aufmerksamkeit auf einige wenige Acts zu richten. Viel geht in Sparten, gesichtsloser Muzak oder der allgemeinen Beliebigkeit verloren. Video killte den Radio Star, und MP3 killte den Video Star. Den Leuten ist es absolut wurscht, welches Gesicht hinter dem Gedudel steckt. Wer will das auch wissen, bei einem DJ Something Soundsystem.

Das macht der Musikindustrie natürlich Sorgen. Und da diese oft noch “old school” denkt, werden “Stars” kreirt, die vor - sagen wir - 15 Jahren noch keine Chance gehabt hätten. Und das gelingt nur mit Acts, die an Harmlosigkeit oder Beliebigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Beispiele: Christina Stürmer und Nelly Furtado. Letztere quäkt seltsam zu ruppeligen Timabland-Beats, sieht nichtmal wirklich gut aus und ist generell ein Wesen ohne künstlerische Identität. Die olle Christina Stürmer schlägt in die selbe Kerbe. Ich vermute, die findet sich selbst langweilig.

Hallo! Das sind… Popstars?

Ja, das sind heute “Stars”. Ich könnte hier ewig weitermachen, denn die selbe Problematik der lange-Schatten-werfenden-Zwerge sieht man im Fernsehen. Da die Quoten generell sinken (nicht nur beim ORF), werden Ausrutscher nach oben als “TV-Hit’s” gefeiert. Wenn das allgemeine Niveau im Keller ist, braucht man sich auf Erfolge nicht viel einbilden.

Und dass der Tiefstand nicht nur die Sonne der Kultur betrifft, sondern auch jene der Politik, ist in Österreich auch sehr gut zu beobachten: hätte man sich vor 10 Jahren noch vorstellen können, dass eine Person wie Alfred Gusenbauer Bundeskanzler wird? Wohl kaum. Sonne/Zwerge/Schatten sag ich da nur…

Und so könnte man Alfred Gusenbauer als den/die Nelly Furtado der Politik bezeichnen. Nur halt ohne Timbaland-Beats.

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