Wir lollen uns zu Tode
Im Grunde gebe ich ja der Süddeutschen Recht:
Spätere Historiker werden den Kampf gegen Anglizismen wohl zu jenen untauglichen Versuchen zählen, mit denen eine verängstigte Mittelschicht den Untergang ihrer Welt aufhalten wollte. Die Sprache bleibt zum Glück ein Werkzeug, das sich dem Zugriff des Einzelnen wie der Bürokratie entzieht. Herrscher des Himmels, erhöre das Lollen und lass jeden reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.
Ja eh… Die Sprache ist ein wandelbares Ding. Stets in Bewegung. Neben diversen - oft schwer nachvollziehbaren - Rechtschreibreformen hat vor allem die “Internet-Ära” die (deutsche, und wohl nicht nur die) Sprache durcheinandergewirbelt. Angefangen hat wohl alles beim Chatten. Hier ist es wichtig, möglichst wenig tippen zu müssen, damit der Fluss des Gespräches im Gang bleibt. Dadurch haben sich die bekannten Verkürzungen in Form von Smileys, “Stauchungen” von Wörtern, oder Acronymen ergeben. Es muss schnell gehen, die Faulheit redet auch ein Wörtchen mit und schon entsteht eine “LOL, :-), cu l8r” - Sprache.
Beim Chat ist es aber nicht geblieben. Dieses “Sprachsurrogat” hat in fast alle Formen der schriftlichen Kommunikation Einzug gehalten. Besonders drastisch auch bei SMS-Nachrichten. Hier hat sich ein eigenartiger “Internet-Sprech/Dialekt-Mix” etabliert. Wirklich schlimm wird es aber, wenn völlig ohne Grund Anglizismen die Überhand gewinnen. Warum tun die Leute das? Weil es “cool” ist? Kleiner Tipp: ist es nicht. Sinnfreies “denglisch” soll offenbar den Lack der Intenationalität über banale Dinge legen. Dieses Phänomen ist besonders in meiner Branche sehr verbreitet. Und ich spreche nicht von den paar Worten der “Fachsprache”.
Meine Meinung: wer älter als 22 Jahre ist (und somit wohl die Pubertät überstanden hat) und es nicht schafft, eine klare Sprache statt einem Dummsprech dieser Art zu verwenden hat eindeutig ein Sprachproblem und ist hier gut aufgehoben.
Posted on Juni 9th, 2007 von Franz
Filed under: DailySoap




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