WLAN versus Schmäh?

Das ist ein gesellschaftliches Problem, alle sitzen vor ihren Computern. Früher ist Karten gespielt oder gewürfelt worden, der Schmäh ist g’rennt. Das Beisammensitzen gibt es leider nimmer.

Andreas Ogris, Ex-Kicker im Online-STANDARD

Neulich sei er [Isaac Brock - Modest Mouse]im Bandbus gesessen, und alle hätten ihre Laptops am Schoß gehabt, und er sein Handy in der Tasche, was ihm sowieso schon Angst macht “cause it might wanna talk to me. And then I suddenly thought: Where has all this stuff actually come from? How did I get suckered into this?

I remember in 2000 I didn’t have a computer and I didn’t have a cellphone, and it was fine. I didn’t not book flights, I didn’t not pay my bills, I didn’t not talk to people. What the hell happened?”

Brock hat natürlich recht. Laptops haben Backstageräume in Büros verwandelt. Das soll nicht sein.

Robert Rotifer, FM4

Es stimmt schon. Der “digitale Lebensstil” wird immer .. sichtbarer. Handys (schreibt man hier eigentlich “Handies”?) sowieso, jeder, ausnahmslos jedeR benutzt so ein Ding, selbst jene, die in den frühen Jahren noch hämisch über die “Handymen” gelästert haben. Aber um das Mobiltelefon geht es ja nicht. Die schon fast aufdringliche Präsenz von Notebooks im öffentlichen Raum ist jedoch eher neu.

Wenn ich mal früh morgens mit dem Zug wohin fahren muss fällt mir auf, dass viele Menschen, die man als “Hackler” einstufen könnte, mit Laptop-Taschen durch die Gegend laufen. Die Kids sowieso. Und auf einer Fahrt nach Wien ist die Notebook-Dichte pro Waggon meist höher als die Verfügbarkeit an Steckdosen.

Zur Computer-Nutzung im Kaffeehaus/Gasthaus habe ich eher gemischte Gefühle. Ich persönlich lasse das Gerät zu Hause, wenn ich auf einen - entspannenden - Kaffee gehe. Es genügt, wenn ich zwischendurch immer wieder meinen PDA nach neuen Mails (oder zwecks Twitterei) befrage. Ich bin ja ohnehin fast rund um die Uhr online. Da gönne ich mir doch lieber eine Tageszeitung oder ein Magazin.

Dass die jungen Kicker nicht mehr beim Pub ums Eck Karten spielen (und dabei den einen oder anderen Drink nehmen, so wie der olle Ogris einst), sondern ihre Profile auf den internationalen Kickerbörsen auffrisieren, ist sicherlich unromantisch. Oder dass die Musiker (wie der Herr Modest Mouse beklagt) sich hinterm Computer verbarrikadieren, statt im Probe/Backstage/.. - Raum die Kuh fliegen zu lassen, kann man durchaus mit einem entschiedenen Stirnrunzeln begegnen.

Dennoch glaube ich nicht, dass Mobile Computing die Menschen in igend einer Form weiter auseinander bringt. Die Rechner werden sowieso benutzt, warum dann nicht an öffentlichen Orten. WLAN ist ein Segen, tragbare Computer auch. Und wenn die Leute ihre Arbeit (oder ihre Freizeit-Computerei) mit nach draußen nehmen ist das doch positiv zu sehen, meine ich.

Wenn ein Fußballer so gut kickt, wie er tippt ist die Welt in Ordnung. Und solange es noch Musiker gibt, die den Laptop hin und wieder gegen eine Gitarre tauschen, bleibt doch alles beim alten.

4 Responses to “WLAN versus Schmäh?”

  1. Der Plural von ‘Handy’ muss ‘Handys’ sein, da es ja kein englisches Wort ist, wäre ‘Handies’ unlogisch. Ausserdem glaube ich mich zu erinnern, es auch so in ‘Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod’ gelesen zu haben! :-)

  2. @Moni
    bei mir dämmerts auch, ich glaube Kapitel: “Visas - die Mehrzahl gönn ich mir” :-)

    naja, nichts desto trotz find ich diese Handy- und Laptop-Flut doch auch schon ein bißchen beängstigend.
    Ich spreche zB. bei einer Busfahrt einen Menschen, der mit Handy bzw. Laptop beschäftigt ist ungern an. Beim der Frage nach einem Kartenspiel (des gute alte Schnapsen) wars einfacher, dafür brauchts ja bekanntlich 2.

  3. Danke für die “Handys” vs. “Handies” Klarstellung!

    Das Kartenspiel empflinde ich persönlich als stark ausgrenzend. Ich bin wohl der einzige Oberösterreicher, der nicht das Schnapsen (oder sonst ein Kartenspiel) beherrscht. Shame on me.

  4. RE: Handy
    Ich persönlich bin ja der Meinung, wers englisch ausspricht, also “Händi”, muss den Plural “Handies” anwenden, wers deutsch ausspricht, also “Handi”, kann auch Handys nehmen :-)

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