Different Class?

oder: wie man einen Diskurs aus einer Nichtigkeit erzeugt.

Schon länger wird Facebook mit MySpace verglichen. Warum auch immer. Nun gut, es sind beides Social Networks, erleben heute eine beachtliche Popularität und richten sich vorwiegend an … junge Leute. Danah Boyd (www.danah.org) hat sich das näher angesehen und einen Essay mit dem Titel Viewing American class divisions through Facebook and MySpace verfasst.

Quintessenz: die Facebook-Leute sind vor allem Studenten, und vorwiegend aus guten Hause, sozial höher gestellt. Während die soziale Situation bei den MySpace Leuten so aussieht:

“MySpace is still home for Latino/Hispanic teens, immigrant teens, “burnouts,” “alternative kids,” “art fags,” punks, emos, goths, gangstas, queer kids, and other kids who didn’t play into the dominant high school popularity paradigm.”

Etwas “romantisierend”, meine ich.

Daraus konstruiert Frau Boyd, dass die Jugend mit der Wahl ihres Social Networks einer - vorbestimmten - “Klasse” fügen. Die leicht tränendrüsige Conclusio liest sich so:

It breaks my heart to watch a class divide play out in the technology. I shouldn’t be surprised - when orkut grew popular in India, the caste system was formalized within the system by the users. But there’s something so strange about watching a generation splice themselves in two based on class divisions or lifestyles or whatever you want to call these socio-structural divisions.

Oooooch. Kann man bitte die Kirche im Dorf lassen? Gabs da nicht mal so etwas wie “Zielgruppen”? Für mich sind Facebook und MySpace völlig verschiedene Welten. Das hat nichts mit “Klassen” zu tun, sondern schlichtweg anderen Lebensphasen (MySpace ist doch deutlich “jünger”, der Kindergarten unter den Social Networks sozusagen), anderen Interessen und einem andern Stil. Was ist denn bitte falsch daran, dass die Plattformen… unterschiedlich sind?

Der Guardian hat diesen Unterschied vor einger Zeit recht treffend so beschrieben:

Facebook, like most internet successes, taps into innate real life traits - curiosity, sociability and sharing. If MySpace is as messy and chaotic as a teenager’s bedroom, Facebook is the frenzied networking of a cocktail party, delivering an unending reel of “news” on the lives of your friends.

Die Boyd’sche Klassen-Theorie kommt bei vielen gut an, so war das heute sogar bei FM4 ein Thema (naja, das passt ins Nachmittagsprogramm des Radiosenders wie die Faust aufs Auge…). Und auch ZDNet’s Steve O’Hear kann dem etwas abgewinnen.

Ich erlaube mir, das nicht so ernst zu nehmen/eng zu sehen. Die Menschen sind verschieden, die Jugend (und die jungen Erwachsenen) keine homogene Gruppe. Es würde ja auch keiner auf die Idee kommen, XING und Szene1-Benutzer “klassenkamptechnisch” zu betrachten (hoffe ich zumindest).

FB und MyS sind Social Networks und nicht “Socialist” Networks. Hier eine sozialromantische Web-Klassentheorie zu basteln halte ich - mit Verlaub - für einen mächtigen Humbug. Aber bitte, wem das ins Weltbild passt, der möge sich daran erfreuen.

One Response to “Different Class?”

  1. sehr informativ auch wieder die Studie von Mashable:
    http://mashable.com/2007/06/26/facebook-users-vs-myspace-users/

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