Die Erfindung des Rades, Teil 2 - die Österr. Nationalbibliothek
Die Österreische Nationalbibliothek hat große Pläne:
Die Österreichische Nationalbibliothek will ab kommenden Jahr die Inhalte aller WWW-Seiten, deren Adresse auf “.at” endet, für künftige Generationen archivieren. Webpages seien “für die Alltagsgeschichte von immenser Bedeutung”, schilderte Generaldirektorin Johanna Rachinger im Gespräch mit der APA. Wie man diese und alle anderen digitalen Daten jedoch für künftige Generationen aufbewahrt, sei derzeit “weltweit noch ungeklärt”.
Also da muss ich schon ein wenig schmunzeln, denn es gibt ein paar Argumente gegen dieses Unterfangen
- Das wird schon sehr erfolgreich - als weltweites Projekt - gemacht. Das Internet Archive des Brewster Kahle arbeitet seit über 10 Jahren an einem gewaltigen Web-Archiv (die Wayback Machine). Erreichbar ist diese riesige, 3 Petabyte umfasende Archive hier: archive.org. Die Behauptung, dass sich zum Thema Web-Archivierung noch niemand Gedanken gemacht hätte ist - mit Verlaub - Unsinn.
- Welchen Sinn sollte es haben, gerade die “.at”-Domains zu archivieren? Eine Website aus Österreich muß nicht zwangsläufig die TLD “at” haben, sondern kann jede beliebige verwenden.
- Was soll der Nationalismus (weil die Nationalbibliothek das im Namen führt?). Es erscheint geradezu grotesk, das “österreisches Eck” des Web isoliert zu betrachten und zu archivieren. Das ist eine hoffnungslos gestrige Haltung. Das Web erfüllt nie “nationale” Anforderungen. Es ist nunmal das WorldWideWeb, es gibt kein “Austronet”.
Der Hintergrund dieses Projektes dürfte wohl hier liegen:
Um die Vorhaben umsetzen zu können, benötigt die Österreichische Nationalbibliothek jährlich vier Mio. Euro mehr. “Ich gehe davon aus, dass ich das Geld bekomme”, so Rachinger, die auf einen Passus im Regierungsübereinkommen verweist, laut dem die Digitalisierung des kulturellen Erbes der Regierung ein besonderes Anliegen sei.
Natürlich. Das Budget muss aufgefettet werden, die Beschäftigung des Personals über Jahre gesichert sein. Was macht es da schon, dass das Projekt selber skurriler kaum sein kann?
Und natürlich kriegt die Frau Rachinger “ihr” Geld. In den Ministerien wird das niemand hinterfragen.
Posted on August 16th, 2007 von Franz
Filed under: DailySoap, webculture




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